Apis mellifera mellifera
Die Dunkle Biene
Eine Unterart der europäischen Honigbiene – ursprünglich beheimatet nördlich von Pyrenäen und Alpen, heute vom Aussterben bedroht.
Seit Urzeiten nutzt der Mensch die Biene als Honiglieferant. Ursprünglich bevorzugten die Bienen Hohlräume in Bäumen. Die Honigernte solcher Bienenvölker wurde bis in das späte Mittelalter vom Berufsstand der Zeidler ausgeübt. Später wurden die Bienenwohnungen aus dem Wald ans Haus geholt. Aus Baumhöhlen wurden Kisten mit beweglichen Rähmchen – das Prinzip der Bienenwohnung als „Höhle" ist geblieben.
Bienen sind Insekten und lassen sich nicht zähmen. Sie bleiben immer wilde Tiere; eine erfolgreiche Haltung erfordert, sie in ihren zahlreichen Eigenheiten zu akzeptieren und zu verstehen. Ohne Betreuung durch den Menschen können Honigbienenvölker heute in Europa nicht mehr überleben.
In den letzten 100 Jahren veränderte sich nicht nur die Bienenhaltung, sondern auch die Artenvielfalt. Die nördlich der Pyrenäen und Alpen heimische Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) wurde in Deutschland und Österreich gezielt verdrängt und durch Schädlinge und Umweltvergiftung ausgerottet.
„Gab es 1950 noch ein Verhältnis zwischen der bei uns heimischen Apis mellifera mellifera (Dunkle Biene) und der Apis mellifera carnica (Kärntner Biene) von 50:50, ist die Dunkle Biene mittlerweile von der Ausrottung bedroht."
Heute gibt es in Österreich nur ca. 1.000 Dunkle Bienenvölker – das entspricht etwa 1 % des Gesamtbestandes. Das Bestreben der Imker:innen nach immer mehr Honigertrag führte zum Rückgang der sparsam lebenden und auf Wetterrückschläge schnell reagierenden Dunklen Biene.
„Extreme Vorsicht als Überlebensstrategie in einer harten Umwelt" – Ruttner (2003) bringt das Verhalten der Dunklen Biene auf einen Nenner.
Besonderheiten der Dunklen Biene
- Große Winterhärte
- Fliegt auch bei niedrigen Temperaturen und schlechtem Wetter
- Vorsichtige Volksentwicklung im Frühjahr und bei Trachtlücken
- Sparsame Lebensweise, starker Putztrieb
- Langlebigkeit der Königin und der Bienen
- Erhöhte Verteidigungsbereitschaft am Flugloch
- Starker Pollen-/Propolissammeltrieb
- Sanftmütig
- Sehr geringe Schwarmneigung – geringer Pflegeaufwand
Unterscheidungsmerkmale
- Sehr dunkle Panzerfärbung
- Schmale Filzbinden
- Rundlicher Hinterleib
- Lange, schüttere Behaarung
Morphometrische Daten
- Panzerfarbe: 0 (keine braunen Ringe)
- Haarlänge: l (lang)
- Filzbinden: f (schmal)
- Cubitalindex: unter 2
- Rüssellänge: 5,9 – 6,5 mm
DNA-Untersuchungen seit 2010
Seit 2010 können die Zuchtgruppen auf DNA-geprüfte Zuchtvölker zurückgreifen. Die Belegstelle S6 (Schüttachgraben) wird seitdem mit geprüften Vatervölkern beschickt. Grundlage ist die Diplomarbeit von Martina Siller an der Universität für Bodenkultur in Wien, betreut von Univ. Doz. Dipl.-Ing. Dr. Hermann Pechhacker.
Die morphologische Untersuchung – insbesondere der Cubitalindex – korreliert gut mit den DNA-Ergebnissen und ist für Züchter:innen ein leistbares Vorselektionsmittel. In Abständen von 2–3 Jahren sollte sie durch DNA-Analysen ergänzt werden.
Die Erhaltung der Dunklen Biene ist mit Standbegattungen allein nicht möglich – Belegstellen und züchterische Selektion sind unverzichtbar.